SPD Werther

Kann man Extremisten in einer Verwaltung verhindern?

Allgemein

Nach dem sechswöchigen Praktikum von Sascha Krolzig in der Stadtverwaltung Werther, stellte sich heraus, dass dieser Mitglied der rechtsextremen Partei "Die Rechte" ist. Zur Information über diesen Vorfall legen wir ihnen nahe, den Artikel des Westfalen Blatts von Marco Purkhart zu lesen.

Neonazi als Praktikant im Rathaus

Sascha Krolzig ist ein polizeibekannter Rechtsextremer – als Jurastudent sechs Wochen in der Stadtverwaltung tätig

Werther (WB). Ein wegen Volksverhetzung vorbestrafter Aktivist der Neonazi-Szene hat im Wertheraner Rathaus ein sechswöchiges Praktikum absolviert. Die Grünen-Fraktion hat den Vorgang jetzt im Stadtrat öffentlich gemacht.

Von Marco Purkhart

Der 25-jährige Sascha Krolzig, so der Name des Praktikanten, ist in der rechtsextremen Szene in NRW ein bekannter Mann. Im Internet findet man zu seiner Person zahlreiche Einträge. Er war führendes Mitglied der »Kameradschaft Hamm«, die im August 2012 zusammen mit anderen Gruppierungen vom NRW-Innenminister verboten wurde.

Bundesweit aktiv

Inzwischen ist Krolzig, der auf Nachfragen dieser Zeitung bereitwillig Auskunft gibt, in der Partei »Die Rechte« aktiv. Diese Gruppe steht unter Beobachtung von Verfassungsschutz und Polizei (siehe Infokasten). Die Behörden sehen in ihr ein Auffangbecken für Mitglieder der oben angeführten verbotenen Kameradschaften. Krolzig fungiert als Beisitzer im Bundes- und Landesvorstand sowie als Kreisvorsitzender in seinem Heimatort Hamm.

Wie kam dieser Mann in die Wertheraner Stadtverwaltung? Krolzig studiert an der Uni Bielefeld echtswissenschaften. Im Rahmen dieses Studiums muss er auch ein Rechtspraktikum an einer öffentlichen Verwaltung absolvieren. »Ich habe mir Werther ausgesucht, weil es sehr nahe an der Uni liegt und ich in Bielefeld wohne. Ich habe mich auch bei anderen Städten beworben«, sagte er dem WESTFALEN-BLATT. Das sechswöchige Praktikum endete am 15. März.

Grüne machen öffentlich

Der Bielefelder Grünen-Ratsherr Klaus Rees informierte Bürgermeisterin Marion Weike am 19. März über den Hintergrund des Mannes. Bruno Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Wertheraner Grünen, hatte nach eigenen Angaben die Bürgermeisterin aufgefordert, den Fall publik zu machen. Nachdem sie dies abgelehnt habe, ergriff er selbst am Donnerstagabend im Stadtrat das Wort. Hartmann zeigte sich »erschüttert, dass ein aktiver und aggressiver Neonazi sechs Wochen lang unerkannt im Rathaus ein Praktikum machen konnte« und forderte Weike zu einer Stellungnahme auf.

Weike: Nicht aufgefallen

Sie erklärte daraufhin, dass der Mann keinen Zugang zu sensiblen Daten gehabt habe. Auch sei er in keiner Weise aufgefallen, die auf einen radikalen Hintergrund schließen ließe. Als Praktikant nahm er laut Weike an Terminen und Sitzungen teil und wertete zudem zwei Bauangelegenheiten aus rechtlicher Sicht aus. »Mit sensiblen sozialen Themen oder gar Ausländer-Fragen hatte er nichts zu tun«, ergänzte die Verwaltungschefin auf Anfrage dieser Zeitung. Der Praktikant habe kein Geld für seine Arbeit bekommen.

Marion Weike bezeichnet den Vorfall im Nachhinein als »bedauerlich«. Die Volljuristin macht jedoch darauf aufmerksam, dass es nicht zulässig sei, einen Bewerber aufgrund seiner politischen Orientierung abzulehnen. »Ich dürfte im Vorstellungsgespräch auch nicht fragen, ob der Kandidat einer Partei angehört«, sagt sie.

Am 7. Februar stellte die Bürgermeisterin den damaligen Praktikanten namentlich im Stadtrat vor.
Weike: »Der Name hat den Ratsmitgliedern ebenso wie mir nichts gesagt, sonst hätte wohl jemand
einen Hinweis gegeben.«

Krolzig widerspricht nicht

Sascha Krolzig reagiert auf Nachfrage dieser Zeitung betont gelassen. »Ich bin mit der Bürgermeisterin und dem Team im Rathaus sehr gut ausgekommen. Frau Weike wusste wohl nichts über meinen Hintergrund, sonst hätte sie mich darauf sicherlich angesprochen«, sagte er. Er wertet seine Arbeit in der Stadtverwaltung als ein Stück Normalität. »Ich habe mich nicht mutwillig in eine Behörde eingeschleust. Dieses Praktikum war nur Bestandteil meiner beruflichen Ausbildung zum Juristen«, sagt Krolzig.

Das WB konfrontierte ihn bei der Anfrage mit den Vorhaltungen der Grünen, er sei »ein aktiver und aggressiver Neonazi«, der wegen Körperverletzung und Volksverhetzung vorbestraft sei. Krolzig widersprach diesen Einschätzungen nicht. Lediglich eine Aussage der Grünen wollte er gerade rücken: »Ich habe keine eigene Homepage.«

 

Westfalen Blatt,23.03.13

Westfalen Blatt,23.03.13