- Geschichte der SPD in Werther
Aus der Geschichte der Werther Sozialdemokratie |
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| Folge 1: | Die Anfänge der Arbeiterorganisation um 1878 |
| Folge 2: | „Bürgerliche“ Widerstände am Beginn |
| Folge 3: | Bis zum Ende des 19.Jahrhunderts |
| Folge 4: | Von der Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg |
| Folge 5: | 1919 – der Beginn als SPD in Werther |
| Folge 6: | 1919 – der Beginn als SPD in Werther (erste Versammlungen) |
| Folge 7: | 1919/1920 – SPD Aktivitäten in Werther |
| Folge 8: | 1923 - Aktivitäten der SPD Werther |
| Folge 9: | 1924 bis 1929 Aktivitäten der SPD in Werther |
| Folge 10: | 1929 bis 1932 Das Ende der Freiheit |
| Folge 11: | 1933 Anfänge der Nazizeit |
| Folge 12 | 1945 Neubeginn in Werther |
| Folge 13 | Die ersten Jahre nach 1945 |
| Folge 14 | Ortsvereinsvorsitzender – ein weniger beliebtes „Ehrenamt“ |
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Die Gründung eines Ortsvereins ist nachweislich erst auf das Jahr 1919 zurückzuführen. Vorher waren die Mitglieder in ortsübergreifenden Vereinen organisiert. Erste Hinweise auf die Mitgliedschaft von Werther Arbeitern in der Sozialdemokratie gibt es in einer Notiz des Bielefelder Tageblattes vom 22.5.1878. Hier heißt es: " Der Zigarrenfabrikant Leopold Brandes in Werther kündigt 40 Arbeitern, die einer drei Tage zuvor ergangenen Aufforderung, sich vom sozialdemokratischen Verein zu trennen, nicht gefolgt sind." Den Quellen nach haben zwei der entlassenen Zigarrenarbeiter den Vortrag eines Bielefelder Sozialdemokraten über den Sozialismus arrangiert, der im Lokal Walkenhorst stattfinden sollte. Der Wirt verweigerte den Arbeitern jedoch die Nutzung seines Lokales für den Vortrag, woraufhin die Versammlung unter "freiem Himmel" fortgesetzt wurde, doch kurz danach vom Polizisten Kannengießer aufgelöst wurde (Bielefelder Tageblatt vom 24.5.1878). Dies alles geschah vor dem 21. Oktober 1878. Das war der Tag, an dem der Reichstag auf Antrag von Reichskanzler Bismarck das Gesetz "wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" beschloss. Gerda Brücher |
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Mit dem Inkrafttreten des "Gesetzes wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" - nun kurz "Sozialistengesetz" genannt - hörte die öffentliche Arbeit der Sozialdemokraten in Werther zunächst auf. Die örtlichen Behörden waren gehalten, vierteljährlich der Bezirksregierung in Minden über "den Stand der sozialdemokratischen Bewegung" zu berichten. Ab 1884 hatten die Berichte dann halbjährig, jeweils zum 15. März und 15. September, zu erfolgen. Gleichzeitig wurde aber auch Bericht erwartet, "inwieweit die positiven Maßnahmen der königlichen Staatsregierung zur Besserung der Lage der Arbeiter, namentlich die zur Unterstützung in Krankheitsfällen gegründeten Kassen im dortigen Kreis die Verhältnisse der Arbeiter gebessert und die Stimmung in Arbeiterkreisen gehoben haben. Auch ist es erwünscht, darüber Auskunft zu erhalten, inwieweit sonst insbesondere auf Seiten der Arbeitgeber Schritte zur Hebung der Lage des Arbeiterstandes getan wurden. " Die Berichte aus Werther sind weitgehend negativ, was sozialdemokratische Aktivitäten betrifft. - So lautet der Bericht des Amtmannes in Werther im September 1884 wie folgt: "pp berichte ich, daß die sozialdemokratische Bewegung, welche vor einigen Jahren besonders unter den Cigarrenmachern hier bestand, ganz aufgehört hat. Es ist besonders dem Verbote der sozialdemokratischen Presse zu verdanken, auch hat die Beschäftigung fremder Cigarrenarbeiter, welche damals die hiesigen Arbeiter verhetzten, fast ganz aufgehört hat. Die Maßnahmen der königlichen Staatsregierung zur Besserung der Lage der Arbeiter als Steuererlasse, Krankenunterstützungskassen, Unfallversicherung werden in Arbeiterkreisen anerkannt. Von den Arbeitgebern sind Schritte zur Hebung der Lage des Arbeiterstandes nicht geschehen." Am 1. 1o. 1890 wird das Sozialistengesetz "außer Kraft gesetzt". - Bereits am 18.7.1890 ging aber ein Schreiben des Reichsinnenministeriums an die nachgeordneten Behörden mit genauesten Anweisungen und Hinweisen, wie nach dem 1.10. die sozialdemokratischen Aktivitäten zu überwachen und zu behindern sind ".. mit allen zu Gebote stehenden Mitteln, aber unter sorgfältiger Einhaltung der gesetzlichen Schranken". Gerda Brücher |
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Aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts ist nur wenig über sozialdemokratische Aktivitäten in Werther bekannt. Die amtliche Beobachtung mit den halbjährlichen Berichten geht weiter. Diese sind weitgehend negativ und melden die Bedeutungslosigkeit der sozialdemokratischen Bewegung vor Ort. Doch die Meldungen sind durchaus interpretierbar; denn 1894 wurde der Bezirk östliches Westfalen der SPD gegründet. Die Schwerpunkte der Arbeit lagen zwar in den Städten, doch sind Auswirkungen auch "auf dem platten Land" ebenfalls bemerkbar. Bei den Reichstagswahlen nehmen die Stimmen der Sozialdemokraten stetig zu. Gab es im Wahlkreis Halle/Herford, zu dem Werther gehörte, 1893 bei der Reichstagswahl 1589 Stimmen (von insgesamt 15004 abgegebenen Stimmen), so waren des 1898 schon 2931 (von insgesamt16657 abgegebenen Stimmen). 1893 bekam der sozialdemokratische Kandidat Hoffmann 60 Stimmen in Werther, während 1898 der Kandidat Zwirner 739 Stimmen erhielt. Wenn zu dieser Zeit von Sozialdemokraten in Werther die Rede ist, handelt es sich fast ausschließlich um Zigarrenarbeiter. Schon vor dem Sozialistengesetz hatten sie sich in Werther organisiert. (Quelle für alle Zahlen und Daten: Stadtarchiv Werther.) Gerda Brücher |
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Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden weiterhin von den Ämtern laufend Berichte, die „sozialdemokratische Bewegung betr.“ verfasst. Die Berichte beginnen fast immer mit gleichlautendem Text wie im Schreiben vom 26.7.1901: „Über die von sozialdemokratischer Seite unternommenen Versuche, die Koalitionsfreiheit auch für den ländlichen Arbeiter zu erlangen, ist nichts bekannt geworden.“ - Das bedeutet, dass zu dieser Zeit keine eigenständige Parteiorganisation in Werther bestand. Eingeschriebene Sozialdemokraten gab es aber auf jeden Fall. Zumindest aus den Jahren 19o6 und 19o7 liegen mehrere Listen von Personen vor, die „dem sozialdemokratischen Verein Halle-Herford als Mitglieder beigetreten sind“. Diese Listen werden der Polizeibehörde in Werther entweder vom Land-ratsamt in Halle oder der Polizeiverwaltung in Herford übermittelt. Bei den Genannten handelt es sich fast ausschließlich um Zigarrenarbeiter. Nur je einmal erscheinen die Berufsbezeichnungen „Zigarrensortierer“, „Werkführer“ und „Metallarbeiter“. Auch Vereine, die im Verdacht stehen, von Sozialdemokraten „unterwandert“ zu sein, werden beobachtet. Das belegt z.B. der folgende Schriftwechsel: ... Die Antwort lautet wie folgt: „Die Tätigkeit eines Sozialdemokraten im hiesigen Radfahrverein gibt mir die Veranlassung, die Her-ren Amtmänner zu ersuchen, auf die zahlreichen Radfahrervereine ein wachsames Auge in der Rich-tung zu haben, ob in ihnen sozialdemokratische Einflüsse sich geltend machen. Die Radfahrvereine, die sich solchen Einflüssen zugänglich zeigen und in deren Reihen sich Sozialdemokraten in größerer Anzahl befinden, sind mir namhaft zu machen.“ Der Amtmann antwortet hierauf aber nur, dass es lediglich einen Radfahrverein in Theenhausen gebe, der unverdächtig sei. Anfang 1915 gibt es dann ein kaiserliches Dekret, wonach die Beobachtung der sozialdemokratischen Bewegung für die Dauer des Krieges auszusetzen sei. Gerda Brücher |
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| Ab 1919 gibt es dann nachweislich eine eigene Parteiorganisation der SPD in Werther, die zunächst unter dem Namen "Sozialdemokratischer Verein Werther" firmiert. Einer amtlichen Aufforderung, die Mitgliederliste einzureichen, widersetzte sich der Verein mit Hinweis auf die geänderte politische Lage. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Schreiben des Innenministeriums in Berlin an die Landratsämter folgenden Inhalts: "Von dem Abgeordneten Brückner und Genossen ist in der verfassungsgebenden preussischen Landesversammlung die Anfrage gestellt, ob der Staatsregierung bekannt sei, daß auf den Landratsämtern bis in die letzte Zeit Geheimakten über Sozialdemokraten geführt worden seien. Die Staatsregierung erachtet es für selbstverständlich, daß zur Führung derartiger Geheimakten kein Anlaß vorliegt und daß solche Akten auch nicht geführt werden. Sollten trotzdem vereinzelt Akten auf den Landratsämtern bestehen, deren Führung den oben wiedergegebenen Anschauungen widerspricht, so ist deren sofortige Vernichtung zu bewirken." Dieser Vermerk vom 21. 6.1919 wurde am 6.7. an die Ämter weitergeleitet. – Im Amt Werther ist dazu handschriftlich vermerkt: Verfügung vom 9.7.19 Ob dieser Rücktritt formale oder sachlich/inhaltliche Gründe hat, ist nicht mehr festzustellen. Jedenfalls wird in dieser Versammlung am 18.4.1919 der folgende Vorstand gewählt, der dann auch für ein Jahr im Amt bleibt: Vorsitzender: Karl Steinbach, Stellvertr. Vorsitzender: Hermann Bartling, Schriftführer: Albert Gehring, Kassierer: Heinrich Wessel, Beisitzer: Heinrich Welland und Hermann Gehring. Gerda Brücher. |
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Ab 1919, so sagt unser altes Protokollbuch, fanden regelmäßig monatliche Mitgliederversammlungen statt. In den Sommermonaten begannen die Versammlungen erst um 21 Uhr, zeitweilig wurde der Termin aber auch auf den Samstag- oder Sonntagnachmittag gelegt Gesellige Veranstaltungen gab es auch. So wurde 1919 zweimal zu Ausflügen mit den Familien nach ·Wulfmeier· eingeladen. Für die Kinder wurden auf der ·Schäferwiese· Bewegungsspiele organisiert. Am 10. August fand eine öffentliche Tanzveranstaltung, vermutlich bei Rentsch, statt. Der Eintritt kostete für Mitglieder 50 Pfennige, ansonsten für Damen 75 Pfennige und für Herren 1,25 Mark Bei allen namentlichen Nennungen, sei des für den Vorstand, sei es für andere Aufgaben tauchen immer nur Männernamen auf, was den Schluss zulässt, dass in den ersten Jahren der Weimarer Republik die Parteiarbeit als auch die Politik vor Ort Männersache waren. |
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In Folge 6 wurden zwei Veranstaltungen aus dem Jahr 1919 etwas ausführlicher beschrieben. Heute, und ggf. in weiteren Folgen, kommt eine tabellarische Auflistung von ·Ereignissen· im Ortsverein, hier beispielsweise aus dem Jahr 1919, soweit sie uns bekannt sind. Diese Tabelle gibt einen interessanten Überblick über die Aktivitäten der Wertheraner Sozialdemokraten. Wenn nicht anders angegeben, ist die Quelle immer das alte Protokollbuch 1.5.1919 Ausflug zu Wulfmeier und Paar, nachmittags Volksversammlung (1) 2.5.1919 Der Beginn der monatlichen Versammlungen, jeweils am Samstagabend, wird von 20 auf 21 Uhr verlegt. (2) 18.5.1919 Ausflug mit Familien und Freunden zu Wulfmeier Für die Kinder werden Bewegungsspiele auf der Schäferwiese arrangiert 7. 6.1919 Es werden einige neue Mitglieder aufgenommen 13.6.1919 wieder Familienausflug zu Wulfmeier und Paar 1.8.1919 Der Genosse Karl Eggstein kritisiert den Vorstand. Unter einem anderen Vorstand würde sich die Mitgliederzahl erheblich erhöhen. (3) 6. 9.1919 Als Delegierter zum Parteitag (nicht bekannt, welcher) wird der Genosse Albert Gehring gewählt · Die Mitgliederversammlung beschäftigt sich noch einmal mit der Kritik am Vorstand und kommt zu dem Schluß, daß die Behauptung, mehr Leute würden in die Partei eintreten, wenn der Verein einen anderen Vorstand habe, lediglich ein Vorwand sei. 9.11.1919 Stiftungsfest 6.12.1919 Der Kassenbestand beträgt 229,15. Die Mitgliederversammlung beschließt, nach Abzug der Kosten für die Weihnachtsfeier (s.d.) den Rest der Lokalkasse zur Gründung einer Bibliothek zu verwenden 26.12.1919 Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung. Für jedes Kind sollen zwei Mark für ein Geschenk und eine Mark für Backwaren aufgewendet werden. Kinder, die ohne Eltern kommen, können nicht teilnehmen 3.1.1920 Wegen der Gründung der Bibliothek sollen Gespräche mit Herford geführt werden. Die Mitgliederversammlung beschließt, zukünftig an jedem ersten Sonntag im Monat, um 18 Uhr zu tagen. Fußnoten: |
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Es geht weiter in der tabellarischen Auflistung von Aktivitäten nach dem alten - leider lückenhaften · Protokollbuch 1.2.1920 Vorstandswahl: 7. 3.1920 Der Genosse Carl E g g s t e i n beantragt, zur Aktivierung der Arbeit eine gemeinsame Veranstaltung mit allen Gewerkschaftsverbänden durchzuführen. Dem Antrag wird entsprochen. ünd der Genosse Fritz B a n z e mit der Vorbereitung betraut. 14. 1.1923 Vorstandswahl 18. 2.1923 Ergänzungswahlen zum Vorstand: 16. 4.1923: Vortrag des Genossen W o l f f, Halle, über Wohnungsnot und Wohnungsbeschaffung. Die Mitgliederversammlung verurteilt das passive Verhalten der bürgerlichen Kreistagsabgeordneten in dieser wichtigen Frage. Es wird eine Resolution beschlossen, in der der Landrat aufgefordert wird. darauf einzuwirken, daß der Kreis Halle in dieser Frage etwas unternimmt. Weiter wird beschlossen, die Fahne mit 250 000 Mark zu versichern. 1. 5.1923: Neun Uhr Treffen am Bahnhof, Marsch durch die Stadt und dann weiter nach Halle zur dortigen Fahnenweihe 13.5.1923 Die Fahnenspitze soll bei der Firma Jahn in Leipzig bestellt, das Futteral beim hiesigen Sattlermeister August Landwehr in Auftrag gegeben werden. Die Schärpen werden vom Genossen Theo Dohmen geliefert. Eingeladen werden zur Fahnenweihe sollen der Kreis Halle und die benachbarten Ortsgruppen sowie Arbeiter Turn, Sport und Gesangverein. Das Vorbereitungskomitee wird erweitert um die Genossen Carl Eggstein, Hugo Fischer und Fritz Ruwe 17.6.1923 Familienausflug zur Schäferwiese gemeinsam mit den örtlichen Gewerkschaften und der Bielefelder und Haller Arbeiterjugend. 1.7.1923: Fahnenweihe 9.7.1923: Die Gesamteinnahmen der Fahnenweihe betrugen 1 296 500 Mark (Es sei daran erinnert, daß 1923 das Jahr der großen Inflation war, daher die astronomischen Geldbeträge) |
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10.2.1924: In der Jahreshauptversammlung wird der bisherige Vorstand wiedergewählt, ergänzt durch die Hilfskassierer W. Schäffer, A. Falk und Fr. Menkhoff. 26.4.1924: In dieser Mitgliederversammlung werden die Kandidaten für die Gemeindewahl und die Amtsvertretung aufgestellt und zwar Gemeinderatswahl: 1. August Everding, 2. Robert Wessel, 3. Franz Wetzlar, 4. August Schwentker, 5. Hugo Menkhoff, 6. Johanna Wessel, Abschließend forderte der Vorsitzende die Versammlung noch auf, sich aktiv am Wahlkampf zu beteiligen. |
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Aus dem Jahre 1929 gibt es das Protokoll der Mitgliederversammlung vom 27. Januar, nachdem nach einem Lichtbildvortrag des Reichstagsabgeordneten Finke über ·das rote Wien· ·der bisherige Vorstand wiedergewählt wird.· · Es sind dies: Karl S t e i n b a c h, Vorsitzender Es folgt ein Appell an die Mitglieder, ihre Kinder in den Arbeiterturnverein zu schicken Albert Gehring stellt den Antrag, den beiden Stadtverordneten,die für die SPD im Rat, aber nicht Mitglied der Partei sind, das Mandat zu entziehen. Nach ·lebhafter Diskussion· wird der Antrag mit 5 zu 6 Stimmen abgelehnt. · Die Entsendung von Nichtmitgliedern in den Rat ist auch heute noch eine offene Frage, an der sich die Geister scheiden. Mit diesem Bericht hören die Eintragungen im alten Protokollbuch auf , um dann auf der nächsten Seite am 2. 12. 1945 nahtlos weiterzugehen! Dennoch wissen wir, jetzt wieder aus den Archiven, einiges über die Aktivitäten der SPD Werther in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Das am 18.07.1922 vom Reichstag beschlossene Gesetz zum Schutz der Republik verpflichtete alle politischen Parteien, ihre Versammlungen anzumelden. Sie wurden von der örtlichen Polizei beobachtet, die dann einen Bericht verfaßte. 5.2. 1932, Lokal Plesken (Deutsches Haus) · ·Deutschland am Scheidewege·, Redner MdR Finke, 320 Teilnehmer 6.3. 1932, Lokal Maßmann, Häger, "Deutschland am Scheidewege", Redner MdR Finke, keine Teilnehmerzahl angegeben 12.3. 1932, Lokal Plesken, ·Deutschlands Zukunft°, Redner MdL Höcker, Herford, keine Teilnehmerzahl angegeben 9.4. 1932, Lokal Plesken, ·Verjagt Hitler, wählt Hindenburg·, Redner Gewerkschaftssekretär Borschadt, Herford, - 60 Teilnehmer 15.4. 1932, Lokal Plesken, ·Für ein freies Preussen·, Rednerin Liesel Korspeter, Bielefeld, 40 Teilnehmer 15.4. 1932 Lokal Sieveke, Rotenhagen, ·Unsere Faust fest am Steuer·, Redner MdR Finke, Herford , 45 Teilnehmer 17.4. 1932, Lokal Voß, Theenhausen, ·Unsere Faust fest am Steuer·, Redner MdL Höcker, Herford, 4o Teilnehmer 20.4. 1932, Lokal Maßmann, Häger, ·Unsere Faust fest am Steuer·, Redner Kurt Wußmann, Bünde,46 Teilnehmer 23.4. 1932, Lokal Plesken, ·Unsere Faust fest am Steuer, Redner Kurt Wußmann, Bünde, 70 Teilonehmer 12.7. 1932, Lokal Mangl Werther, ·Volksfront gegen Hitler· Redner, Kurt Wußmann Bünde, MdR Marie Juchacz, Berlin, MdR Karl Schreck, Bielefeld, 120 Teilnehmer Bei allen Veranstaltungen bescheinigt der beobachtende Polizeibeamte zwar mitunter ·lebhafte Diskussion·, aber sonst immer ·keine besonderen Vorkommnisse·. Während die NSDAP 1930 noch recht aggressiv in Werther auftrat und damit den Unwillen der Bevölkerung erregte, war 1931 und 1932 Zurückhaltung angesagt. Jedenfalls ist aus diesen Jahren nichts über Störungen von SPD · Versammlungen bekannt. Ob das Reichsbanner, das zu dieser Zeit in Werther etwa 40 · 50 Mitglieder hatte, irgendeinen Saalschutz organisierte, ist nicht bekannt. Das Republikschutzgesetz gab der Verwaltung auch die Handhabe, auf Ort und Termine von Veranstaltungen Einfluss zu nehmen, so daß ein zwangsläufiges Aufeinandertreffen gegnerischer Gruppen vermieden wurde. Eine Beschwerde liegt vom Kaufmann Alfred Weinberg vor, daß die Schaufenster seines Geschäftes mit NSDAP-Plakaten beklebt wurden. Der Leiter der örtlichen NSDAP versichert, daß dies nicht in seinem Auftrag geschehen sei, die beschuldigte Person streite alles ab und Weinberg wird aufgefordert, Zeugen zu benennen. Die Sache wird dann wohl im Sande verlaufen sein. Jedenfalls hatte die NSDAP in den Jahren 1931 und 1932 ziemlichen Zulauf, ihre Versammlungen die weitaus meisten Zuhörer. |
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Mit dem bis dahin praktizierten Anschein der ·Toleranz· war es nach dem 30. Januar 1933 schlagartig vorbei. Eine SPD-Versammlung im Februar bei Maßmann in Häger wurde von SA Leuten aus einem Nachbarort derart gestört, dass sie aufgelöst werden musste und der Referent, der Reichstagsabgeordnete Finke aus Herford, nur mit knapper Not und mit Hilfe des Ortspolizisten den Schlägertrupps entkam. Am 18.2.1933 ergeht die Weisung, Listen über alle Funktionäre der KPD sowie ihr nahe stehende Organisationen und die Funktionäre der freien Gewerkschaften anzulegen. Am 7. 3. 1933 wird dies auf die Funktionäre der SPD, der eisernern Front und des Reichsbanners ausgedehnt. Bei den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung am 12. 3. 1933 kandidieren mit folgenden Stimmenergebnissen: NSDAP 688 Stimmen, 5 Sitze // Bürgerliste, 358 Stimmen, 2 Sitze SPD, 316 Stimmen, 2 Sitze // KPD, 32 Stimmen · kein Sitz In den Sitzungsprotokollen bis zum 15.5.1933 sind die Sozialdemokraten noch als anwesend aufgeführt, danach nicht mehr. In der Ratssitzung am 18.4.1933 wird die Umbenennung der Bielefelder Straße in Adolf-Hitler-Strasse und der Schlossstraße in Hermann-Göring- Strasse beschlossen. Außerdem soll Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft angetragen werden und ihm eine Huldigung zum Geburtstag erwiesen werden (den schwülstigen Text ersparen wir uns hier) Der sozialdemokratische Stadtverordnete Brakemann protestiert gegen diese Anträge und verlässt vor der Abstimmung den Saal. Aus Werther erfolgt am 26.5.1933 die folgende ·Lagemeldung· des Bürgermeisters: ·KPD und SPD haben hier die politische Tätigkeit eingestellt, Die Beschlagnahme des Parteieigentums und das Eigentum der freien Turnerschaft ist reibungslos verlaufen ... ..Festnahmen sind nicht erfolgt.· Am 5.7.1933 teilt Bürgermeister Ostrup dem Landrat in Halle mit, dass er allen sozialdemokratischen Stadt- und Gemeinderatsvertretern das Behändigungsschreiben (wohl eine Art Entlassungsurkunde) überreicht hat. Bei allen in den Räten und anderen Gremien aus ·freien Listen· kommenden Leuten hat er sich versichern lassen, dass sie nicht der SPD angehörten. Am 9.8.1933 fragt die Gestapo an, ob sich Arbeitermusikvereine gegründet hätten. Der Bürgermeister antwortet: ·Im hiesigen Amtsbezirk wurde das Blasorchester Werther gegründet, dessen Mitglieder fast alle der SPD angehörten bzw. nahe standen.· · Irgendwelche Weiterungen ergaben sich aber wohl nicht. In den folgenden Monaten werden alle Vereine, gleich welcher Art, vom Elternbeirat bis zum Viehversicherungsverein ·gesäuberrt·. Über eine illegale Tätigkeit der SPD Werther in der NS-Zeit ist nichts bekannt. Es gibt Indizien, dass die Bibliothek an die Mitglieder aufgeteilt wurde Irgendjemand hat auch das Protokollbuch über die Zeit gerettet. Über das Schicksal der Fahne, die in den Diskussionen eine wichtige Rolle spielte (vergl. Folge 8), ist nichts bekannt. Ein sonst namentlich nirgendwo aufgeführtes Mitglied des Reichsbanners aus Werther wurde am 8.7.1933 wegen ·Verächtlichmachung der Reichsregierung ·in ·Schutzhaft· genommen und in das Konzentrationslager Börgermoor überstellt und am 18.11.1933 wieder entlassen. Aus persönlichen Gesprächen wissen wir,dass Freundes- und Genossenkreise sich im privaten und geselligen Rahmen immer wieder trafen und Kontakt hielten und sozusagen in dieser Nische das System überdauerten. |
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Mit der bedingungslosen Gesamtkapitulation Deutschlands am 7.5.1945 endeten am 8. Mai 1945 der Zweite Weltkrieg und das faschistische Regime. Bereits im Potsdamer Abkommen war von den Alliierten die Zulassung demokratischer Parteien im besetzten Deutschland vorgesehen. Protokoll zur Gründung der sozialdemokratischen Partei Ortsgruppe Werther i.W. am 9. Dezember 1945 Zu der am Sonntag, dem 9. Dezember 1945, um 9.30 Uhr bei Wirt Georg Wöhrmann. Bielefelder Straße, einberufenen Zusammenkunft zwecks Gründung der sozialdemokratischen Partei, Ortsgruppe Werther i.W. haben sich 11 Genossen eingefunden.
Bereits am 5. Januar 1946 fand eine weitere Versammlung statt. Der im Dezember gewählte Vorsitzende wird bestätigt und der Vorstand durch den Kassierer Heinrich Wessel und die Beisitzer Wilhelm Goebel und Wilhelm Wöhrmann ergänzt, am 16.2.1946 dann noch einmal durch den Schriftführer Julius Brakemann und die Revisoren Hugo Menkhoff und Karl Wilke. Nachdem alle Anwesenden ihren Beitritt zur Partei erklärt hatten, wurde die Gründung der Ortsgruppe Werther vollzogen. Zum vorläufigen Vorsitzenden wurde der Genosse Karl Niedworok. Werther, Haller Str. 34 bestimmt, der auch gleichzeitig die Geschäfte des Kassierers und des Schriftführers übernahm. Die Wahl des Gesamtvorstandes wurde dem Beschluß der nächsten Mitgliederversammlung überlassen. Nachdem noch einige Fragen der Organisation und der Propaganda sowie Fragen der Arbeiterwohlfahrt besprochen waren wurde die Zusammenkunft gegen 11.30 Uhr geschlossen. Karl Niedworok Vorstand und Schriftführer Die kleine Ortsgruppe wächst schnell. In jeder Versammlung gibt es den Tagesordnungspunkt „Aufnahme neuer Mitglieder“. So lagen der Mitgliederversammlung am 16.2.1946 die Aufnahmescheine von 19 Genossen vor. Oft werden die neuen Mitglieder im Protokoll auch namentlich aufgeführt. So vermerkt das Protokoll vom 1. 6. 1946 die Aufnahme von Peter August Böckstiegel. Bereits am 5.1.1946 und dann noch einmal am 1.2.1947 beschäftigt sich die Mitgliederversammlung mit der Frage, ob frühere Mitglieder der NSDAP in die Partei aufgenommen werden können. 1946 wurde beschlossen, daß eine eventuelle Aufnahme von der Mitgliederversammlung beschlossen werden muß, 1947 heißt es dann, daß die Eintrittswilligen zwei Bürgen stellen müssen Später wird das Thema nicht mehr berührt. Ab dem Protokoll vom 6.7.1946 heißt es dann nicht mehr „Ortsgruppe“ sondern „Ortsverein“, eine Bezeichnung, die bis heute beibehalten wurde. Gerda Brücher |
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Auch in Häger-Schröttinghausen gründete sich eine Ortsgruppe der SPD, wozu uns jedoch keine Unterlagen vorliegen, auf die wir uns sicher stützen können. Heinrich Gehring, damals Häger, sagt zu den Anfängen in Häger: „Eine erste politische Ver-sammlung in Häger fand 1945 bei Maßman statt. Dort trat ein kommunistischer Red-ner auf. Wenn der da nicht bald weggegangen wäre, hätte er fast Schläge gekriegt. Er hatte nicht damit gerechnet, dass er auf eine ganz andere Sorte Menschen traf“. Nach Gründung des SPD-Ortsvereins Häger-Schröttinghausen fanden dann auch in Häger monatlich Versammlungen statt. Vorsitzender war Gustav Droste. „Für den war es die größte Schwierigkeit, weil wir nur Platt sprachen, wenn er sonntags mor-gens dann in Hochdeutsch die Versammlung eröffnen musste. Da wurde dann alles besprochen, was wir machen wollten. Und vor allen Dingen war es ja vor den Wah-len. Aber an und für sich stand damals schon im Großen und Ganzen fest, wer auf-gestellt wurde. Was wollte man da mit 10 Man groß abstimmen!. In den monatlichen Zusammenkünften wurde dann alles Notwendige erörtert, egal ob das Kandidaten-aufstellungen war oder Wahl von Delegierten für die Versammlungen im Kreis Halle, die bei Schmedtmann stattfanden. Man musste sich auch verständigen, wie man nach Halle kommt, denn die älteren Genossen konnten nicht mehr Fahrrad fahren. Ein Auto hatte ja niemand zu der Zeit.“ In der Not der Nachkriegsjahre stellte sich die materielle Versorgung der Bevölkerung als zentrale Aufgabe. Vor allem mußte Flüchtlingen und Vertriebenen geholfen werden, die auf keine Bestände zurückgreifen konnten. Deshalb wurde die Sammlung von Kleidungsstücken und Emaillewaren, wie es heisst, in einigen Versammlungen immer wieder besprochen. Wie in allen anderen Ortsvereinen der SPD beschäftigten sich die Versammlungen in der Zeit des Wiederaufbaues des Landes zwangsläufig immer mit den im Ort anstehenden Problemen. Dazu gehörte etwa die Frage der Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge und Vertriebenen. Der Ortsverein setzte Mitarbeiter für die Flücht-lingsfürsorge ein. Die Parteiführung forderte die Ortsvereine auf, Flüchtlinge oder Vertriebene in die Vorstände zu wählen, was die SPD Werther bereits von sich aus getan hatte. Im März 1947 führte der Ortsverein einen Bunten Nachmittag durch, zu dem besonders Flüchtlinge und Vertriebene eingeladen wurden. Auf diese Weise hoffte die Partei einen besseren Kontakt zu dieser Bevölkerungsgruppe zu ermöglichen. In sozialen Fragen engagierte sich auch die Arbeiterwohlfahrt in Werther schon vor der Bildung des zentralen Hauptausschusses (im Mai 1946). Nun gründete sich auch in Werther der Ortsausschuss. Vorsitzende wurde Niedworok, in Personalunion mit seinem Amt als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, doch schon am 2.11.46 wurde zusätzlich Paul Berkenkamp zum Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt gewählt. Der Arbeiterwohlfahrt stellten sich viele Aufgaben. Zu nennen sei beispielsweise die Ver-teilung von „Fleisch, Fisch und Kartoffeln“. Es geht aus dem Protokoll nicht hervor, wer die Adressaten der Verteilung sein sollten. Beträge an Barunterstützungen wurden an Rentner, Schwerbeschädigte, Hinterbliebene und Flüchtlinge ausgezahlt. Die SPD richtete auf Kreisebene einen Suchdienst für Kriegsgefangene ein, der regelmässig in Werther Sprechstunden anbot. Offenbar standen die befreundeten Grup-pierungen der SPD, früher „Umfeldorganisationen“ genannt, nämlich die Arbeiterwohlfahrt und die „Falken“, in einem engen Verhältnis zum Ortsverein. Beispielsweise suchten die „Falken“ einen Genossen, der in Werther eine Gruppe aufbauen soll-te. Ein Genosse schlug in der Versammlung vor, die „Jugend durch Druckschriften und mündliche Propaganda mit dem Programm und Zielen der Partei vertraut zu machen“. Zunächst wurde diese Frage vertagt, doch schon in einer späteren Versamm-lung des Ortsvereines forderte der Vorsitzende der Jugendgruppe der „Falken“ die Mitglieder auf, „ihre Jungen und Mädel zu den Veranstaltungen herzuschicken“. Also löste sich auch dieses Problem. Später bat der Leiter Falkengruppe, Heinz Weischinik, die Mitglieder einmal, Lebensmittel für das im Sommer bevorstehende Zeltlager zu spenden. Aus den 20-er Jahren war, teils gefördert durch die Freien Weltlichen Schulen, die Jugendweihe als Alternative zur Konfirmation eingeführt wurden. Nach 1945 veranstalteten die „Falken“ die jährlichen Feiern zur Jugendweihe. In der Mitgliederversammlung des Ortsvereines wurde dafür geworben. Auch die enge Zu-sammenarbeit mit der Gewerkschaft ist belegt. Beide Organisationen führten die Maifeier des Jahres 1947 gemeinsam durch. Sie verbanden die Veranstaltung mit einem Fussballspiel „Werther gegen Künsebeck“. Die Parteiarbeit brachte auf Grund der äußeren Umstände in der Nachkriesgzeit mehrfach Schwierigkeiten mit sich. So konnte die Ortsgruppe beispielsweise in den Monaten unmittelbar nach der Gründung noch keine öffentliche Versammlung durchführen, weil noch kein großer Saal zur Verfügung stand. Später wurde ins "Deutsche Haus" zu den Wahlversammlungen eingeladen.
(Gerda und Bodo Brücher)
Der Besuch der Parteiversammlungen an jedem ersten Samstag im Monat entsprach wohl nicht immer den Erwartungen des Vorstandes. So vermerkt das Protokoll: "Da viele Parteimitglieder die Mitgliederversammlungen unregelmäßig besuchen, sollen Listen aufgestellt werden und einige Genossen damit beauftragt werden, die Säumigen zu erinnern" . Um den älteren Mitgliedern die Möglichkeit zur Teilnahme an der Mitgliederversammlung zu erleichtern, wurde Anfang 1950 beschlossen, sich in den Wintermonaten an einem Sonntagnachmittag zu treffen. |
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Es wäre zu monoton, würden wir im Folgenden die gewählten Vorsitzenden aufzählen. Aufschlussreicher dürfte es sein, einmal der Frage nachzugehen, wie sich der Wechsel in den Ämtern und unter welchen Umständen darstellte. Namen und Daten mögen dem einen oder der anderen nicht viel sagen. In einem relativ überschaubaren Ort wie Werther werden sich jedoch manche Mitglieder an den einen oder anderen erinnern, oder vielleicht auch Vorfahren, frühere Freunde der Familie oder Verwandte darunter finden. Nicht jeder, der ein Ehrenamt in einer Partei ausübt, betrachtet es als „Ehre“. Doch sind diese Ämter notwendigerweise zu besetzen. Die Mitglieder durchschauen oft nicht, welcher zeitliche Aufwand mit manchen Ämtern verbunden ist. Für die Ortsvereinsvorsitzenden fällt nahezu täglich Arbeit an, die immer zu Lasten der Freizeit geht. Der Umfang der Aufgaben wuchs in den letzten Jahrzehnten seit der stärkeren Professionalisierung des Parteiapparates und der Verbesserung der kommunikativen Verbindungen durch das Internet zwischen den Gliederungen der Partei und den Ortsvereinen mehr und mehr. Bemerkenswert ist auch, dass bis 1933 und in den ersten Jahren nach 1945 immer Männer das Protokoll führten, zum Teil in Schönschrift, und in den letzten Jahrzehnten immer Frauen (Herta Potthoff, Christel Becker, Gerda Brücher, Karin Oberwelland) waren, dieses Amt ausübten. Niemand drängte sich nach dieser Tätigkeit. Vergleichbar ist die Belastung des Kassierers des Ortsvereins (In den letzten Jahrzehnten: Rudi Siekmann, Wolfgang Grünkemeier, Günter Lindner, Jürgen Benndorf, Evi Wessel). Neben den Funktionen, die im Ortsverein zu besetzen sind, braucht die Partei immer wieder Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu bestimmten Anlässen, zum Beispiel bei der Besetzung von Informationsständen, beim Kleben der Wahlplakate, bei der Vorbereitung von Festen, bei der Vorbereitung und Mitarbeit etwa beim Stadtfest, beim Christkindelmarkt und ähnlichen Veranstaltungen. Ohne die Bereitschaft Einzelner, dabei mitzuwirken, wäre Parteiarbeit nicht zu leisten. Vor 1933 wählten die Mitglieder für die Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen deshalb einen Festausschuss, in dem Genossinnen und Genossen mitwirkten, die Gewandtheit in der Zusammenarbeit entwickelten. Die Vorstände brauchten sich nicht zusätzlich noch zu ihren vielseitigen Aufgaben mit der Vorbereitung von Festen zu befassen, sondern konnten sich mehr ihrer politischen Arbeit widmen. Wurden jedoch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für langfristige Aufgaben gebraucht, so stellte sich zuerst immer die Frage, wer bereit und auch zeitlich in der Lage ist, solche meist zusätzlichen Aufgaben, oft neben anderen Funktionen, zu übernehmen. Manche Protokolle belegen, dass eine spontane Bereitschaft zur Mitarbeit erklärt wurde, die Arbeit langfristig aber doch auf Einzelnen „hängen blieb“. Ein Beispiel dafür soll nur die Zeitschrift „SPD-Kurier für Werther“ sein, die der Ortsvereinsvorstand für zirka zwei Jahre ab Juni 1985 herausgab. Oft wartete die „Redaktion“ vergeblich auf zugesagte Beiträge. Die Verbreitung der Druckschrift im Stadtgebiet übernahmen zunächst die Ratsmitglieder in ihren Wahlbezirken. Doch nach einiger Zeit belastete sie das wohl zu sehr, zumal sie auch noch vor den Wahlen die ZAS (Zeitung am Sonntag) an mehreren Sonntagen verteilen mussten. Doch sei nun im Folgenden etwas über einige Vorsitzende gesagt, die seit 1945 das Ehrenamt übernahmen. In der Jahreshauptversammlung am 15.1.1949 wurde Fritz Hielscher als Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Niedworok (siehe oben) gewählt. Niedworok war nun nur noch Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt. Obwohl vor den Hauptversammlungen meistens schon im Vorfeld abgeklärt wird, wer bei einem Wechsel im Amt die Geschäfte weiterführen soll, kam es doch wenige Male in der Geschichte des Ortsvereins nach 1945 zu Gegenkandidaturen, die in einer demokratischen Organisation an sich kein ungewöhnlicher Vorgang sein sollten. Am 7.1.1950 standen zwei Kandidaten für die Wahl des Vorsitzenden zur Verfügung: Hielscher und Niederröhrmann. Hielscher erhielt 31 Stimmen, Niederröhrmann drei. Am 5.1.1952 wurde dann Heinrich Niederröhrmann doch zum Vorsitzenden gewählt. Fritz Hielscher wurde Zweiter Vorsitzender. Bei der Jahreshauptversammlung1954 wurde Heinrich Niederröhrmann erneut Vorsitzender. 1956 wurde dann Gottfried Rademacher zum Vorsitzenden gewählt, doch trat er 1957 schon aus beruflichen Gründen zurück. Berufliche Belastungen waren auch später mehrfach der Grund für den Wechsel im Amt. Am 8.11.1958 wurde, nachdem die Wahl schon einmal vertagt war, Fritz Hielscher wieder zum Vorsitzenden gewählt. Die Vertagung einer Wahl lässt darauf schließen, dass augenblicklich kein Kandidat zur Verfügung stand und jemand gesucht werden musste, der zur Wahl antritt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass oft auf frühere Vorsitzende zurück gegriffen wird, wenn niemand bereit ist, dieses Ehrenamt mit den damit verbundenen Belastungen (noch einmal) zu übernehmen.
Es gibt jedoch auch Gegenbeispiele. Als einer der aktivsten Funktionäre in den Fünfzigerjahren ist Karl Riepe zu nennen, der nicht nur als Ortsvereinsvorsitzender tätig wurde, sondern acht Jahre auch das Amt des Amtsbügermeisters ausübte. Während dieser Zeit war er zusätzlich noch Bürgermeister von Werther. 1962, 1963, 1964 und 1965 wurde Hans Breder zum Vorsitzenden gewählt. Später wurde er stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender , trat 1969 vorzeitig von diesem Amt zurück und verließ später sogar die Partei. Am 28.1.1966 übernahm Karl Heinz Neu das Amt des Vorsitzenden, das er, mit einer kurzen Unterbrechung, mehrere Jahre ausübte, und zwar zunächst bis 1971. Mit dem jüngeren Karl Heinz Neu begann eine neue Ära in der Geschichte des Ortsvereins Werther. Karl Heinz Neu, erfahrener Gewerkschaftsfunktionär, gehört neben Horst Brulheide zu den Vorsitzenden, die der Partei lange Zeit in diesem Amt dienten und sich zugleich in der Kommunalpolitk betätigten. Karl Heinz Neu als Kreistagsmitglied (zeitweise auch als Mitglied der Stadtratsfraktion) , Horst Brulheide Brulheide als Mitglied der Stadtratsfraktion. Zugleich änderten sich Organisationstrukturen: Die Ortsvereine Häger und Schröttinghausen schlossen sich dem Ortsverein Werther an, weil die Mitgliederzahl in den kleinen Orten zurückgegangen war. Zwar übernimmt zwischenzeitlich am 22.3.71 der Schröttinghauser Horst Schütz den Vorsitz der SPD – Amt Werther , doch schon in der Jahreshauptversammlung am 28.12.1972 trat Karl Heinz Neu dieses Amt wieder an, das er bis 1980 ausübte. Das vorliegende Protokollbuch, das noch vor 1933 begonnen wurde und erhebliche Lücken aufweist, schließt am 2.2.73 mit dem Bericht über die Wahl der Kandidaten für die Kommunalwahl im Rahmen der kommunalen Neuordnung. Das Bielefeld-Gesetz des Landtages regelte den Anschluss der bisherigen Gemeinde Schröttinghausen an die Stadt Bielefeld.. Horst Brulheide folgte 1980 Karl Heinz Neu im Vorsitz des Ortsvereines. 1988 übernahm Dieter Schubmann-Wagner den Vorsitz für die drei folgenden Jahre, trat 1991 aber aus beruflichen Gründen zurück, sodass Horst Brulheide den Vorsitz noch einmal bis zum Jahr 1992 übernahm. Wie schwer es war, Kandidaten für den Vorsitz zu finden, zeigt das folgende Beispiel. Der Vorstand beschäftigte sich rechtzeitg mit der Frage, wer den Vorsitz nach Horst Brulheide übernehmen könnte, weil der auch nur eingesprungen sei.. Befragt wurden Udo Lange, Beate Wagner und Herbert Tichy. Doch lehnten alle ab. In einer Sitzung des Ortsvereinsvorstandes am 14. Oktober 1991 wurde weiter überlegt. Im Protokoll heißt es dann:“ Es wird vorgeschlagen, Karl Heinz Neu und Bodo Brücher zu fragen, ob sie als Ortsvereinsvorsitzende kanididieren würden. In der Diskussion wurde ausgeführt, dass Karl Heinz Neu, sofern er bereit sei zu kandidieren, wegen seiner beruflichen Tätigkeit im DGB das Amt lediglich verwalten könne und eine Wahl von Bodo gewissermaßen ein Generationswechsel in die umgekehrte Richtung sei. Christel Becker gab zu bedenken, ob es wirklich wichtig sei, nach jüngeren Leuten zu suchen. Bei diesen „stehe logischerwesie das berufliche Fortkommen an erster Stelle, und da ist für eine ehrenamtliche Tätigkeit nicht so viel Zeit und Engagament, wie es die Funktion verlange“. Gewählt wurde dann 1992 doch Bodo Brücher, der zugleich aber noch in überörtlichen Funktionen in der Partei tätig war (Unterbezirksvorstandsmitglied und Bezirksvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Bildung OWL). Er gab sein Amt 1996 im Alter von 70 Jahren an die 34-jährige Anke Wadewitz ab, die diese Tätigkeit allerdings nur ein Jahr ausübte, da sie die Möglichkeit zum Studium an der Universität bekam. Obwohl nun eine junge Genossin an der Spitze des Ortsvereines stand, bestätigt deren Rücktritt die Richtigkeit der Bedenken, die Christel Becker geäußert hatte. In den folgenden Jahren wechselte der Vorsitz wieder mehrfach. Jürgen Benndorf, mehere Jahre schon Kassierer, übernahm den Ortsvereinsvorsitz von 1998 bis 2000. Er sprang nochmals ein, als Ulrich Wirths während der Wahlperiode den Vorsitz aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Ihm folgte dann Angelika Krafft für zwei Jahre (Sie schied aus dem Amt aus, da sie in einen anderen Ort verzog) und ab 2002 Annemarie Benndorf, die mit der Doppelfunktion als Vorsitzende des Ortsvereins und der Fraktion eine außerodentliche Belastung auf sich genommen hat. Doch scheint sich diese Personalunion konstrutiv auf die Verbindung von Ortsverein und Fraktion auszuwirken, die in früheren Jahren nicht immer ungestört blieb. (Durchgesehen und nicht erneut bearbeitet: Gerda Brücher/Dr. Bodo Brücher - April 2009) |
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